Braunschweiger Zeitung 7. November 2003
Mitteldeutsche Zeitung 4. November 2003
Süddeutsche Zeitung 9. Dezember 2002
Mitteldeutsche Zeitung 26. Oktober 1996
Schwäbisches Tagblatt 18.November 1995
Andreas Kramer - Buchkünstler
Farbholzschnitte eines Malers
Zur Malerei von Andreas Kramer
Andreas Kramer - Holzschnitt
Statement aus sintesi, 2003
Von Anne von Figura
Reich im Detail, klar im Gesamteindruck
Noch ist nicht alles fertig; die letzten Bilder müssen gehängt, die letzten Skulpturen aufgestellt werden. Spätestens heute abend ist alles so, wie es sein soll. Dann öffnet die Turmgalerie in Helmstedt ihre Pforte zur Eröffnung der Ausstellung von Andreas Kramer und Hendryk Schink.
Bilder Holzschnitte und Keramikplastiken werden für gut sechs Wochen in der Galerie zu sehen sein.
Es ist nicht die erste gemeinsame Ausstellung der Freunde, die einst zusammen an der Hochschule für Kunst und Design in Halle studierten. Die Arbeiten müssen zur Dimension und der Atmosphäre des Raumes passen, erklärt Kramer. Er hat sich vor allem für kleinformatige Werke entschieden, da so die Relation zwischen Raumgröße und Bildern gewahrt wird. Einen Querschnitt der vergangenen sechs Jahre zeigt der Künstler, der vorwiegend in Venedig lebt und arbeitet.
In den rund 30 Ausstellungsstücken lässt sich gut die Entwicklung Kramers erkennen. In seinen früheren Werken dominiert die Symmetrie, erst in seinen neueren Bildern wendet er sich bewusst von ihr ab, propagiert das Asymmetrische. Eine Konstante ist jedoch in all seinen Bildern zu finden: Das Figürliche.
Auf den ersten Blick wirken seine Arbeiten abstrakt, erst im zweiten entdeckt der Betrachter Hinweise auf den menschlichen Körper. Und noch etwas fällt sofort auf ; Kräftige Farben in mehreren Schichten übereinander gedruckt kennzeichnen seine Werke, geben ihnen Tiefe.
Ein Gegenpol dazu sind die Keramiken von Hendryk Schink. Ihnen eigen ist im Gegensatz zu Kramers Malerei und Grafik eine fassbare Räumlichkeit. Die Farbe ordnet sich hier der räumlichen Wirkung und dem Material unter.
Gemein ist den Arbeiten der Freunde hingegen ihre Abstraktheit.
Schink, der ursprünglich von der Porzellanherstellung kommt, eine Vielzahl von Services entworfen hat, löst sich in seinen ausgestellten Gefäßen vollständig von ihrer Funktionalität. Doch nicht nur dies macht die Ausstellung zu einer harmonischen Zusammenstellung : Auch die ästhetische Grundeinstellung, ausgedrückt durch Reichtum im Detail, aber auch einer Klarheit im Gesamteindruck, verbindet ihre Werke.
Braunschweiger Zeitung 7. November 2003
Ausstellung Turmgalerie Helmstedt
7. November bis 23. Dezember 2003

Von Detlef Färber
Farbentdeckungen in imaginären Räumen
Wenn Andreas Kramer von halle spricht, dann wird sein Tonfall fast schon feierlich. Die Stadt ist meine künstlerische Heimat, sagt der aus dem Thüringer Wald stammende Künstler, der an der hiesigen Kunsthochschule Burg Giebichenstein studiert hat und heute in Venedig lebt und arbeitet. Ja, er müsse sogar sagen, er sei hier künstlerisch geboren. Grund genug der kreativen Wiedergeburt auch immer mal eine Wiederkehr folgen zu lassen.
Seit Montag zeigt der Maler und Grafiker in der Zeitkunstgalerie neue Arbeiten einer Schau, die er gemeinsam mit einem Freund, dem britischen Künstler Peter Gillies, bestreitet und die zuvor in London und Venedig zu sehen war. Kramer, der Halle schon unmittelbar nach der Wende in Richtung Italien verlassen hat, zeigt in etlichen Bildern dieser Schau auch künstlerische Früchte einer Auswanderung- wenn auch nicht seiner eigenen, sondern einer fantasierten.
Er nimmt den Betrachter mit auf eine Entdeckungsreise, die vor allem Farbentdeckungen bringt.
Ein mexikanisches Rot etwa, für das Rot natürlich ein kaum passender Begriff ist. Oder manch aufregendes Blau, das mal ein Meer ist und mal ein Hintergrund für ein fast clowneskes Bild mit dem Titel Die Revolution geht weiter.
Doch so aufregend wie diese spezielle Farben- und wie fast die gesamte Farbigkeit bei Gillies.
Ist auch die Formsprache bei den farblich weit dezenteren Holzschnitten des Zyklus Metamorfosi Kramers Formen seien menschengestaltig, erläuterte Theo Immisch von der Moritzburg bei der Vernissage. Sie können gelesen werden als Tänzer des Lebens.
Die vollziehen ihre Wandlungen freilich in imaginären Räumen, die wie innere Wandelgänge wirken. Es sind wohl jene Labyrinthe, die der Künstler auch nicht per Auswanderung verlassen kann.
Mitteldeutsche Zeitung 4.November 2003
Ausstellung Sintesi mit Peter Gillies in der Zeitkunstgalerie
3. November bis 5. Dezember 2003

Von Ingrid Zimmermann
Immer undimmerwieder: Andreas Kramer und seine Chronik des Beziehungslebens
Immer undimmerwieder hat der Maler Andreas Kramer eine Ausstellung seiner Arbeiten im Kunstforum Römerschanz in Grünwald genannt und darin ist schon ein wichtiger Aspekt des menschlichen Lebens, ebenso geschätzt wie verteufelt, enthalten : das immer wieder neue Hineinfallen in die Zaubergrube der Gefühle, die bunte, pralle Lebendigkeit verheißen und dann doch oft nur schillernde Fallstricke sind, in denen der Fuß des Strauchelnden auf stets die gleiche Weise hängen bleibt.
Die Bilder von Andreas Kramer, 43, sind Chroniken des menschlichen Beziehungslebens, doch dies nicht figürlich-gegenständlich, selbst wenn ein Teil der Formen dies verlauten lässt, sondern auf der Ebene der Psyche. Malerei also, die der Literatur und den gesellschaftlichen Themen rund um die Individualität entspricht. Viele Künstler bewegen sich in diesem Zwischenbereich, aber nicht viele so gut wie dieser Maler. Hier gibt es Gegenwartskunst im besten Sinne des Wortes zu sehen.
In Grünwald zu sehen sind neue mehrfarbige Holzschnitte wie auch Mischtechniken aus Aquarell und Kreide und etwas ältere Arbeiten in Öl- und Acryltechnik. In diesen beiden Werkgruppen sind
Eine Art Figurinen, der Abstraktion angenäherte menschliche Figuren, die Dominanten. Vor einem Hintergrund in Blautönen entwickeln sich nun Geschichten. Zwischen den Gestalten selbst und den sie umgebenden Farbfeldern entladen sich positive oder negative Spannungen. Eigentlich ist es ein Tanz von Formen und Farben, jedoch nicht beliebig, sondern in schlüssiger und auch räumlich konsequent durchgehaltener Komposition. Lange kann man hinsehen und entdeckt ständig neue emotionale Konstellationen.
Mehr Stille herrscht in den Holzschnitten. Kramer bedient sich klassischer Schneide- und Drucktechniken, bevorzugt Lindenholz, das sich gut bearbeiten lässt und doch lange die Form hält, und verwendet Teile alter Druckstöcke erneut. Auch hier ist eine abstrakte Menschenfigur die Dominante. Zart ist sie, fragil, sogar elegant, aber auch von aggressiver Schärfe wie ein gefährliches Insekt. Und wie ein Insekt im Bernstein eingeschlossen in einem blockförmigen, leicht transparenten Schutzpanzer. So bewegt sie sich zwischen Farbfeldern, die, schaut man die Arbeiten von der Ferne an, sich zu einer geheimnisvollen Räumlichkeit ordnen.
Ebenso empfiehlt sich der Blick aus der Nähe. Ein Linienwerk von der zartesten Gestalt bis zum dramatischen Strichgewitter löst diese scheinbar festen Felder in einen Kosmos faszinierender Quantenschwingungen auf. Es ist so wie du denkst und fühlst, sagen diese Bilder, und doch ganz anders.
Süddeutsche Zeitung 9. Dezember 2002
Immer und immer wieder, Kunstforum Römerschanz
5. bis 19. Dezember 2002
Formen und Farben fügen sich zu einer Melodie
Andreas Kramer zeigt Farbholzschnitte und Ölbilder
Seine Bilder haben Titel wie Das traurige Fest, Gleichgewicht, Schweigen, Wahnsinn und Nacht oder ganz schlicht nur Das Boot. Sie haben deutsche Namen oder italienische. Dem Künstler kommt es bei der Titelwahl auf Wortspiele an und vor allem auf den Wortklang.
Der aus dem Thüringer Wald stammende Andreas Kramer, der an der Hochschule für Kunst und Design, Burg Giebichenstein von 1985 bis 1990 Malerei und Grafik studierte und heute gleichermaßen in Berlin und Venedig zu Hause ist, stellt seit Mittwoch Abend in der Galerie 5ünf Sinne in der Brüderstraße 6 aus.
Das ständige Pendeln zwischen beiden Ländern hat ihn in den letzten fünf Jahren geprägt und natürlich Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen genommen. Aus diesem Grund stellt Kramer neben Farbholzschnitten ausschließlich Ölbilder aus den Jahren 1992 bis 1996 vor. Ich glaube meine Malerei ist ein bisschen zu italienisch für Deutschland, aber auch ein bisschen zu deutsch für Italien, bekennt er.
Entstanden sind die Bilder teils in Venedig, teils in Berlin. Einige sind mit mir zwischen den Städten hin- und hergefahren, erleutert Kramer, der sich während seines Studiums an der Burg vorwiegend mit grafischen Techniken beschäftigt und fasr heimlich nebenbei gemalt hat.
Andreas Kramers Bilder leben von ihrer Farbgebung, bei der Blau als Symbol für Freiheit, Sehnsucht, Bewegung, Offenheit, Himmel und Wasser, eine besondere Rolle spielt. Überhaupt sind dem Maler die Farben und Formen wichtig, die sich während des Malens zu einer Melodie fügen. Fast alles ist figürlich, auch wenn es auf den ersten Blick bisweilen abstrakt aussieht.
Beim Verweilen vor dem Bild, dem genaueren Hinsehen, sind immer Figuren zu erkennen, wobei der menschliche Körper allerdings bisweilen auf ein Minimum reduziert ist. Viele Motive sind symbolisch zu sehen, entspringen sie doch einem bestimmen Gedanken, aus dem das Bild gemacht ist.
Im Gegensatz zur Malerei tragen die Farbholzschnitte in der Galerie 5ünf Sinne sind durchweg
Unikate zu sehen keine Namen.Es sind einfach Kompositionen, meint Kramer. Sie entstanden alle in den Werkstätten der Scuola Internazionale di Grafica, einer privaten Kunstschule in Vendig, an der Kramer seit 1993 die Sprache der Formen und Farben unterrichtet.
Mitteldeutsche Zeitung, 26. Oktober 1996
Ausstellung in der Galerie 5ünf Sinne, Halle, 1996
Unendliche Reise auf langen Bögen
Andreas Kramer Malerbücher
Als Susanne Padberg, Inhaberin der Tübinger Galerie Druck & Buch, die Ausstellung offizielle eröffnete, waren Künstler und Publikum längst im munteren Gespräch.
Gezeigt werden die Malerbücher des abwechselnd am Prenzlauer Berg und in Venedig lebenden und arbeitenden Andreas Kramer. Sein immer wieder neu erzähltes Hauptmotiv, die lange Reise gestaltet er mit Vorliebe auf Längsformat, meist auf einem Weite suggerierenden, stets im Hintergrund bleibenden Blau.
Das längste Leporello misst 7,20 Meter und trägt den Titel : una storia infinita. In der fliessend-flächigen Dauer, von extremen Blickfängen wie Tiefenwirkung oder menschlichen Gestalten unbehellt, tummeln sich Figurinen und Chiffren, Symbole für Seelenzustände, die im Malprozess oft erst als Tusch-Nachzeichnung von intuitiv oder zufällig entstandenen Aquarellfeldern konkretisiert werden.
pme
Schwäbisches Tagblatt, 18.09.1995
Galerie Druck & Buch, 16. September bis 4.November 1995
Von Susanne Padberg
Andreas Kramer - Buchkünstler
Andreas Kramer benennt in seiner buchkünstlerischen Arbeit zwei entgegengesetzte Pole:
Das spontane, an einem Stück gemalte Unikatbuch zum einen, das durchkomponierte originalgrafische Auflagenbuch zum anderen.
Unikatbücher, textfrei gemalt in Pastell, Kreide, und Aquarell, meist auf farbigen Papieren, die den Bildraum für Figurenerzählungen bilden. Kleinformatige Originalbücher, Faltbücher aus einem Stück Papier, als Verlauf gemalt, raum-zeitliche Inszenierungen und erzählende Abläufe, oft erstaunlich kleinformatig- fast wie eine kostbare Taschenbuchvision für die Alltagsbewegungen des Machenden wie des Betrachtenden- es gibt seltsam enthobene Erzählungen zu sehen. Die tradierte spätexpressionistische Malhaltung zum Körper hat er zu eigenwilligen körperenthobenen Figuren verwandelt.
Das Faltbuch wird als Möglichkeit zur malerischen Fortfolge genutzt, Titel benennen Reisevisionen, die Einbände lassen experimentell die gewöhnliche Buchform hinter sich:
Ein besonderes Augenmerk legt Andreas Kramer auf ungewöhnliche Formen des Buches:
An außergewöhnliche oder alte Buchformen frei angelegte Erscheinungen, wie das Säckchenbuch Die Entdeckung Amerikas- wie eine mittelalterliche Reisebrevier in ein angebundenes Ledersäckchen eingeschlagen, der Doppelleporello Atlantide, der an beiden Seiten, mit Bambusstäbchen verschlossen eine Bildlektüre verschiedener Dimensionen Erlaubt:
mit den verschiedenen Buchrücken von beiden Seiten als Blockbuch visuell zu Lesen oder als langer Leporello aufgefaltet von beiden Seiten zu betrachten. Ganz anders die gedruckten Bücher : handwerklich perfekt und aufwendig gemacht, mit der Andreas Kramer eigenen Art des Holzschnitts und der Radierung originalgrafisch ausgestattet, haben sie eine ganz andere Konzeption als die spontanen durchlaufend Erzählenden Malerbücher.
Im Jahre 1995 entstanden zwei gedruckte Werke mit Texten von Heinrich Heine, das eine Angélique in klassischer Gegenüberstellung des neunteiligen Gedichtzyklus´ mit je einem dreifarbigen Holzschnitt, das andere Sie haben dir viel erzählet... ganz in einer und dafür in kombinierten Drucktechniken, die Spannung des Heine-Gedichtes figürlich gesetzt.
Verborgene Symmetrien hat Andreas Kramer 1999 in einer Auflage von 10 Exemplaren gedruckt. Spannungsreiche symmetrische Verhältnisse lassen sich darin ausmachen, eigene poetische Texte in deutscher und italienischer Sprache sowie Schwarzweiß- und Farb-Holzschnitte spielen ein vielfaches Spiel mit einer Symmetrie, die nicht geometrisch verstanden darf. Symmetrien werden hier visuell exemplifiziert an den Geschlechtern, an Herz und Hirn, an den Sprachen der Länder, in denen Andreas Kramer lebt.
Innerhalb der einzelnen unglaublich farbstarken Holzschnitte, auf den gegenüberliegenden Seiten, innerhalb der gesamten Buchkonzeption finden sich diese Bezüge ohne aufdringliche zu werden, eben weil sie mehr komplementäres benennen als starre Symmetrien. Die Texte sind dabei eine Mischung aus bildgewordener Poesie und freier Typografie, sie zeichnen gar die Umrissformen der Holzschnittfiguren nach, so werden die Buchstaben zu Bildern, die Bildfolgen lesbar.
Katalogtext (1999)

Von Jo Achim Wenke
Farbholzschnitte eines Malers
Die wohl älteste Form, ein Bild zu vervielfältigen ist der Holzschnitt.
Knapp formuliert:
Ein Brett wird so geschnitten, dass die erhöht stehen bleibenden Teile, wie bei einem Stempel eingefärbt, auf ein Blatt Papier abgedruckt werden können. Wenn man jetzt einen farbigen Holzschnitt drucken will, muß man so viele Hölzer schneiden wie man Farben haben will. Dann müssen beim Drucken die verschiedenen Platten genau fixiert werden - ein kompliziertes technisches Unterfangen. Die asiatische Holzschnittkunst hat es da zu artistischen Leistungen gebracht. Kramer macht etwas ganz anderes.
Erstens will es ein nicht ein Bild beliebig oft vervielfältigen, sondern jeweils ein neues schaffen. Zweitens schneidet er zwar auch in Holzteile, druckt diese jedoch immer andersfarbig an andere Stellen auf das Bild.
So entstehen Reihen oder Zyklen von Bildern, die in ihrem Formenvokabular ähnlich sind jedoch Blatt für Blatt eine Metamorphose von Farben und Formen durchschreiten.
Das bevorzugte quadratische Format ist somit das Terrain für vom Bildmittelpunkt aufgebaute Szenarien, welche eine wahrhaft magische Kraft in sich tragen. Der dreiteilige Aufbau suggeriert eine Verwandtschaft mit mittelalterlichen kleinen Tischaltären.
Im Zentrum des Hauptgeschehens (der Heilige?), zu beiden Seiten das erzählende Umfeld.
Expressiver Farbgestus, wechselt mit zart lyrischen Tableaus und meditativen Strukturen. Rituale scheinen abgeformt, reduzierte Körperlichkeit ins Verhältnis gesetzt. Zeichen und Signale bereichern die knappe Sprache.
Die Blätter erhalten keine einzelnen Titel (was Kramer in der Malerei sehr wohl tut. Wir haben es mit hochgradig abstrahierten Bildvorgängen zu tun, die ihre Wirkung aus der Wichtung von Form und Farbe erhalten.
Und so steht ganz einfach Composizione samt einer Nummer für den Titel. Kein literarischer Anschubser also für unsere Fantasie, der uns bei den Entschlüsselungen helfen kann. Fast könnte man die Holzschnitte als Konkrete Bilder bezeichnen jedoch fernab von jeder Konstruktivistischer Kühle. Im Gegenteil.
Der Spielerische mit feinnervig geritzten Versatzstücken, die delikate Farbwahl und das malerische Vorgehen bei den hintereinander erfolgenden Druckvorgängen machen das Ungewöhnliche dieser Arbeiten aus.
Die sorgsam übereinandergeschichteten Farben, in ihrem lasierenden Spiel gemahnen an alte Malerei ( vom Gestus her ), tragen somit eine Fülle von Informationen die gleichermaßen Seele und Geist anrühren und zu einem harmonischen Miteinander von Kunstwerk und Betrachter führen.
Katalogtext (1999)
Von Guido Suchomski,
Zur Malerei von Andreas Kramer
Expressive Farben, Formen und Symbole bestimmen das malerische Werk Andreas Kramer. Figürliches und Abstraktes verschmilzt im Klang energischer Linien und atmosphärischer Flächen zu einer spontanen Malerei, unmittelbar und direkt geboren aus inneren Impulsen.
Die hieraus entstehende Leichtigkeit wird über klare Kontraste und feine Nuancen zum Atem der Kramerschen Komposition. Er provoziert damit eine sinnliche Betrachtungsweise, die Vertrauen auf eigene Intuition und Wahrnehmung erzeugt.
Eine solche Rezeption, aus dem Erleben des Musikalischen, eröffnet den kreativen Kosmos von Andreas Kramer.
Die abstrakte Körperlichkeit seiner Figuren wird zur Symbolsprache autonomer Zustände. Die Bilder entstehen aus Überlagerungen, Schicht für Schicht wächst eine organische Struktur, in der sich der Weg und das Suchen widerspiegelt.
Unterwegs aufgenommene Farb- und Formfragmente verbinden sich zu einer Geschichte, deren Anfänge im künstlerischen Prozess selbst verborgen liegen. Flächen und Linien ordnen sich wie lyrische Texte aufs Detail konzentriert, rhythmisch verwoben, wieder verworfen und neu arrangiert, aber immer auf das Ganze orientiert.
Die Farben verwandeln sich zu Wasser zu Erde, zu Himmel, zu Licht, die Formen werden Zeichen für Erinnerungen, Ahnungen und Empfindungen, Harmonie und Gleichgewicht der Kompositionen stehen im bewussten Gegensatz zu Rätselhaftigkeit und Unruhe der einzelnen Bildelemente und gerade aus diesem Kontrast heraus, gewinnen die Bilder an philosophischer und psychologischer Tiefe.
Die Zeit wird zu einer Dimension der Betrachtung, und der Betrachter muss nur die Grenze von der sichtbaren Oberfläche zu den verborgenen Motiven überwinden. Das ist nicht allein eine interpretatorische Methode, sondern vor allem ein Weg zur Inspiration.
Katalogtext (1999)
Von Theo Immisch
Andreas Kramer - Holzschnitt
Andreas Kramer lebt seit gut 10 Jahren überwiegend in Italien im Veneto und das hat, wie vermittelt auch immer, sein Werk geprägt. Waren seine ersten Holzschnitte noch schwarz-weiß angelegt und nur partiell farbig angereichert, ist er seit einer Unterbrechung und einem Neuansatz zu differenziertesten Farbräumen mit feinsten Übergängen, Überlagerungen und Durchdringungen abgestufter Farben gekommen.
1991 ermöglicht ihm ein Stipendium, im Veneto zu arbeiten. Er ist bis heute dageblieben, nicht zuletzt deshalb, weil er dort die Farbigkeit gefunden hat vorgefunden und für sich gefunden -, die ihm vorschwebte. So hat er auch Anfang der 90er Jahre für zwei Jahre fast nur gemalt, um sich diese Farbwelten anzueignen, sie sich gleichsam einzuverleiben als Voraussetzung und Vorrat für weitere Arbeiten.
1993/94 begann Kramer, bereichert durch neue Erfahrungen und in neuem inneren Gleichgewicht, wieder Holzschnitte zu machen. Als glücklicher äußerer Umstand kam dabei zu Hilfe, dass er begann, an einer privaten Kunstschule Sommerkurse zu geben und die Druckwerkstatt der Schule nutzen konnte.
Kramer bevorzugt das Quadrat, in sich ruhiger als rechteckige Formate und daher mehr Spiel haltend. Alle Quadrate gehören zur umfänglichen Serie der Metamorfosi Verwandlungen. Sie gehen aus von wenigen Formen, vielfältigen linearen Strukturen und zwischen fünf und fünfzehn Farben je Blatt (dementsprechend klein sind die Auflagen) Das einander Überlagern der Farben.
In Abhängigkeit von Druckstärke und Farbführung führt wegen der partiellen oder gänzlichen Transparenz der verwendeten Farben zu verblüffenden Mischungen und am Ende zur Leichtigkeit dieser Blätter. Begonnen hatte Kramer die Serie unter dem allgemeinen Titel Composizione im Sinne systematischer Untersuchungen.
Nach einer Experimentierphase fand er zum definitiven Titel Metamorfosi. Über vier, fünf Jahre hinweg trieb er vor allem ein Spiel mit Symmetrien, offenkundigen und verborgenen.
Durch die vielen Druckgänge mit verschiedenen Druckstöcken kommen Metamorphosen der Formen wie der Farben zustande.
Die einzelnen Arbeitsschritte verändern, verwandeln sie und der ganze Arbeitsgang ist eine Folge von Metamorphosen. Die betreffen auch den Grafiker selbst und beziehen ihn ein : auch er wird durch seine Blätter verwandelt.
Wenn er den Verwandlungsprozess des Bildes abbricht, beendet, entscheidet er intuitiv, wenn er meint es sei ausgeglichen. Dabei macht er immer wieder die Erfahrung, dass, was er sich vornimmt, anders und etwas anderes ist, als dann herauskommt.
Kramer gehört zu denen, die ganz stark dialogischen Arbeiten verpflichtet sind. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit Symmetrien verschiedener Strenge und Grade widmet er sich nun bewusst asymmetrischen Gestaltungen. Wohl wissen, dass perfekte Symmetrie langweilig wirkt und erst die Störung des Musters die wahre Perfektion schafft, arbeitet er seit zwei Jahren bewusst asymmetrisch, um nicht ein einmal gefundenes Prinzip nur noch zu variieren. Die jüngsten Blätter sind wieder stumpfeckig (70x100) und Unikate.
Beide Gruppen von Bildern setzen sich auseinander mit Bedingungen des Menschseins, die menschliche Figur kommt symbolhaft vor als verlorene (wie Kramer sagt) Torsi.
Als Annäherung an Seelenzustände in der Spannung von Individuum und umgebender Atmosphäre sind Andreas Kramers mehrdeutige Farb- und Formschnitte auch Figur-Grund-Gestaltungen und nicht bloß das Interesse des Betrachters an ihnen, sondern ermöglicht und entfaltet erst das Eigenleben der Blätter. Dies nicht zuletzt in der Mehrdeutigkeit dessen, was jeweils als Figur und was als Grund gesehen werden kann, und wirkt in der Spannung von Suche und Sinn, Fülle und Leere, strengen Formen und einander überlagernden Bedeutungsgeschichten.
(Ausstellungstext zur Ausstellung im Museum Eckernförde, 2001)
Statement aus sintesi, 2003
Meine Auffassung von Malerei ist von eher musikalisch poetischer Natur.
Formen und Farben entstehen miteinander, aus dem Arbeitsprozess heraus, als Konsequenz des Zusammentreffens von Intuition und Gedanken.
Material und Technik verändern nicht die Ideen, sondern bereichern diese vielmehr durch ihr ganz eigenes Potential.
Meine Holzschnitte sind für mich genauso Malerei wie meine Leinwände und doch ganz anders.
Meine Bilder sind nie ganz und gar abstrakt und sie werden es auch niemals werden.
Meine Formen sind der Versuch einer Suche nach dem für mich Wesentlichen,
nach Lebens-Zeichen.
Am Anfang steht das Chaos, aus dem über eine Reihe befreiender, die Dunkelheit zerstörender Metamorphosen, schließlich das Bild entsteht.
Meine Kunst ist so kompliziert und so einfach wie ich selbst.
Reichtum an Details und Klarheit in der Komposition sind kein Widerspruch, entsteht doch erst durch ihr Zusammenspiel die wirkliche Geschichte des Bildes.
Zeichen, Konturen und Flächen überlagern sich, schaffen Tiefe und kehren immer wieder zu ihren Ursprung zurück zu den Landschaften des weiblichen Körpers.